Ein 8-poliges Netzdiagramm
Um mehrere politischen Ideologien, Haltungen und Wertvorstellungen miteinander zu vergleichen, gibt es unterschiedliche Ansätze und Darstellungsmöglichkeiten. Von einer einfachen Links-Rechts Aufteilung bis hin zu Modellen, die versuchen, das politische Spektrum anhand mehrerer Konfliktlinien abzubilden.
Wie erfolgt die Verortung der Parteien mit #8POL-N?
Zur Verortung der Parteien wird ein Modell mit vier Achsen verwendet:
Autoritär ↔ Libertär
National ↔ International
Konservativ ↔ Progressiv
Leistungsprinzip ↔ Umverteilung
Damit ergeben sich acht Pole, die in einem Netzdiagramm visualisiert werden. Jeder Pol liegt zwischen 0 und 5; Werte um 2,5 markieren eine mittlere Position.
Im Folgenden wird erläutert, wie die Werte ermittelt werden und wofür die Pole inhaltlich stehen.
Erfassung der Parteipositionen anhand von 40 Statements
Die politische Verortung beruht auf 40 normativen Aussagen („Items“), wobei jedes Item einem Pol zugeordnet ist; pro Pol gibt es fünf Items. Je nachdem, wie stark die Zustimmung oder Ablehnung für ein Item ist, verändern sich die Werte der zugehörigen Achse.
Numerische Kodierung der 5-stufigen Likert-Skala:
- Stimme überhaupt nicht zu → −0,25
- Stimme eher nicht zu → −0,125
- Weder noch → 0,0
- Stimme eher zu → +0,125
- Stimme voll und ganz zu → +0,25
Ausgehend von der mittleren Position (2,5) werden die numerischen Werte der Antworten auf den zugehörigen Pol addiert und vom Gegenpol subtrahiert.
Die 40 verwendeten Statements können oben in einem "Selbsttest" beantwortet werden - das Egebnis wird dann im Netzdiagramm angezeigt.
Vier zentralen Konfliktlinien als Achsen des Netzdiagramms
Das Modell beschreibt vier grundlegende politische Konfliktlinien. Jede Achse wird durch zwei Pole charakterisiert, die als Gegenpositionen derselben Konfliktlinie verstanden werden.
Autoritär ↔ Libertär
Kurzgesagt: Staatliche Durchsetzung/Ordnung vs. individuelle Freiheitsrechte.
Autoritär: Der autoritäre Pol steht für ein Politikverständnis, das staatliche Steuerungs- und Durchsetzungsfähigkeit betont. Im Zentrum stehen Ordnung, Kontrolle und die Idee, dass der Staat zur Sicherung von Stabilität und gesellschaftlicher Kohärenz auch stärker in öffentliche Kommunikation, institutionelle Strukturen und individuelle Freiheitsräume eingreifen darf. Sicherheit und Regulierbarkeit werden dabei tendenziell höher gewichtet als weitreichende Freiheits- und Abwehrrechte gegenüber staatlicher Macht.
Libertär: Der libertäre Pol beschreibt eine Orientierung, die individuelle Freiheitsrechte, Selbstbestimmung und den Schutz vor staatlicher Übergriffigkeit in den Vordergrund stellt. Prägend sind Skepsis gegenüber umfassender Überwachung und paternalistischer Politik sowie ein hoher Stellenwert von Bürgerrechten, Privatheit und freier Meinungsäußerung. Der Staat soll sich grundsätzlich zurückhalten und primär dort eingreifen, wo Rechte Dritter verletzt oder konkrete Gefahren begründet sind.
National ↔ International
Kurzgesagt: Primat nationalstaatlicher Interessen/Souveränität vs. Primat internationaler Kooperation und Regeln.
National: Der nationale Pol fokussiert politische Entscheidungsfindung auf den Nationalstaat als primären Bezugsrahmen. Leitend ist die Priorisierung nationaler Interessen, sozialstaatlicher Verantwortungslogiken innerhalb der eigenen Staatsgemeinschaft sowie die Vorstellung, dass staatliche Souveränität, kultureller Zusammenhalt und wirtschaftliche Selbstbehauptung zentrale politische Güter sind. Internationale Verflechtungen werden eher instrumentell betrachtet und gegebenenfalls begrenzt, wenn sie als nachteilig für Handlungsfähigkeit, Identität oder innere Belastbarkeit wahrgenommen werden.
International: Der internationale Pol betont die Notwendigkeit verbindlicher Kooperation und regelbasierter Ordnungen über Staatsgrenzen hinweg. Zentral ist die Annahme, dass viele Gegenwartsprobleme nur durch gemeinsame Institutionen, multilaterale Abkommen und geteilte Verantwortlichkeiten lösbar sind. Menschenrechtsbasierte Normen, internationale Rechtsprechung, Bündnissolidarität sowie Offenheit für grenzüberschreitenden Austausch werden als stabilisierende Faktoren für Frieden, Wohlstand und globale Problembewältigung verstanden.
Konservativ ↔ Progressiv
Kurzgesagt: Bewahrung etablierter Normen/Institutionen vs. aktive gesellschaftliche Modernisierung.
Konservativ: Der konservative Pol steht für eine Orientierung an Kontinuität, gesellschaftlicher Stabilität und der Bewahrung etablierter Institutionen und Normen. Er betont häufig die Integrationsleistung traditioneller Ordnungsvorstellungen, setzt eher auf schrittweise Veränderung und betrachtet schnelle kulturelle oder sozialpolitische Umbrüche als potenzielles Risiko für Zusammenhalt. Politische Eingriffe sollen alltagspraktisch tragfähig bleiben und nicht zu starken Brüchen in Lebensführung, Erwartungen und sozialen Leitbildern führen.
Progressiv: Der progressive Pol beschreibt eine Haltung, die gesellschaftlichen Wandel als notwendigen Bestandteil von Modernisierung versteht und bestehende Normen aktiv hinterfragt. Er betont Gleichstellung, Inklusion und die politische Gestaltbarkeit sozialer Rollen- und Machtverhältnisse. Staat und Institutionen werden dabei nicht nur als neutrale Rahmengeber, sondern auch als Akteure gesehen, die durch Regeln, Standards und Förderinstrumente strukturelle Ungleichheiten abbauen und gesellschaftliche Teilhabe beschleunigen können.
Leistungsprinzip ↔ Umverteilung
Kurzgesagt: Leistungsbezogene Verteilung/Marktvertrauen vs. egalitäre Absicherung/Umverteilung.
Leistungsprinzip: Der Pol „Leistungsprinzip“ repräsentiert eine Verteilungs- und Wirtschaftsauffassung, die individuelle Anstrengung, Verantwortungsübernahme und Wettbewerb als zentrale Legitimitätsquellen sozialer Ungleichheit betrachtet. Wohlstandsentstehung wird vor allem durch private Initiative, Marktmechanismen und unternehmerisches Handeln erklärt; staatliche Umverteilung, starke Regulierung oder umfangreiche Eingriffe in Preissignale werden eher skeptisch gesehen. Gerechtigkeit wird hier vor allem als Ergebnis fairer Chancen und leistungsbezogener Differenzierung verstanden.
Umverteilung: Der Umverteilungs-Pol steht für eine egalitäre, sozialstaatlich geprägte Perspektive, in der gesellschaftliche Teilhabe und materielle Sicherheit als öffentliche Aufgabe gelten. Er betont den Ausgleich von Einkommens- und Vermögensungleichheiten, die Absicherung grundlegender Lebensbereiche sowie die Schutzfunktion kollektiver Institutionen wie Tarifpolitik, Mindeststandards und öffentlicher Daseinsvorsorge. Gerechtigkeit wird dabei stärker als Ergebnis solidarischer Risiko- und Lastenteilung verstanden – auch unabhängig von individueller Leistungsfähigkeit.
Auswertung
Die Auswertung erfolgte im Dezember 2025 mithilfe Künstlicher Intelligenz (ein Disputatio-GPT basierend auf ChatGPT 5.2 Extended Pro). Die KI wurde aufgefordert, die 40 normativen Statements anhand offizieller Quellen (Grundsatzprogramm, Wahlprogramme, Beschlüsse, offizielle Website, Anträge sowie Aussagen von Mandatsträgern auf Bundesebene) zu beantworten. Bei fehlenden Informationen wurde eine neutrale Position („Weder noch“) angenommen.
Wie die KI die einzelnen Statements zu jeder Partei beantwortet hat, kann hier eingesehen werden.
Grenzen von #8POL-N
Eine politische Verortung mit der Methode von #8POL-N hat natürlich Grenzen und Einschränkungen:
- LLM-gestützte Auswertung: Wenn Kodierungen oder Quellenrecherchen mit generativer KI unterstützt werden, sind Fehler, Halluzinationen und Verkürzungen möglich.
- Item-Set ist knapp: Fünf Items pro Pol sind kompakt, bilden komplexe Ideologien aber nur ausschnittweise ab.
- Mehrdeutige Items: Einzelne Formulierungen können mehrere Motive (z. B. Freiheit, Kosten, Ordnung) zugleich ansprechen und Konstrukte vermischen.
- Quellenstand und Aktualität: Veraltete Programme/Beschlüsse können die aktuelle Position verfehlen; zudem können Bundes-, Landes- und Fraktionsebene auseinanderfallen.
- Interne Pluralität: Parteien sind keine monolithischen Akteure; Beschlüsse und öffentliche Aussagen können innerhalb der Partei umstritten sein.